Kraftwerk in Köln

Ich habe mich ja immer etwas über all die Leute lustig gemacht, die auf der Musik ihrer Jugend hängen blieben und seit 30 Jahren auf die Stones Abschiedstournee gehen. Leider musste ich die Tage feststellen, dass ich wohl auch  – wenn auch leicht anders – zu dieser Personengruppe gehöre, nachdem ich mir einige meiner Konzerte in 2015 anschaute: Stereo MCs, Thievery Corporation, Prodigy und jetzt auch Kraftwerk.

Ich wünschte, ich könnte wie andere erzählen, wie Kraftwerk in meiner Jugend das prägende musikalische Erlebnis waren – waren sie einfach nicht. Mit 16 hörte ich Metal und schwenkte dann langsam auf HipHop und early elektronische Dancefloor-Musik um (siehe auch das Mixtape mit 16), so richtig zündete elektronische Musik bei mir aber erst mit Drum and Bass – und da sind meine Urväter eher Goldie, Shy FX, T-Power und Grooverider als Kraftwerk. Klar, die Alben habe/hatte ich auch, die Musik kannte ich, die Ursprungsdebatte (die bei Tanith und woanders im Netz anlässlich der Konzertreihe und auch der Klagefreudigkeit wieder aufflammt) ebenso. War mir aber nicht so wichtig, ich fand die Musik gut und für die damalige Zeit wegweisend. Klar, die haben in den letzten Jahren nichts neues mehr veröffentlicht, was auch nur einigermassen „Impact“ hatte, aber ebenso ist das bei Stones, AC/DC und anderen der Fall 🙂

Vor einigen Jahren war ich schonmal in Köln bei einem Konzert, da wurde nicht so ein Fass bei der Ticketvergabe aufgemacht und es war irgendwie deutlich leichter, an Karten zu kommen. Diesmal waren diese personalisiert und die Webseite mehr als überlastet. Trotzdem kamen wir an Karten und waren schon gespannt, wie das Konzert werden wird.

Haters gonna hate (dedicated to #das_kfmw ) #kraftwerk

Haters gonna hate (dedicated to #das_kfmw ) #kraftwerk

Über die personalisierten Tickets wurde auch schon genug gerantet – die dadurch verursachte Schlange war sehr beeindruckend uns sicher 500 Meter lang. Bei Regen wäre es sicher zu den ersten Unmutsbekundungen gekommen, so wurde die Zeit genutzt, um sich bei spätherbstlichen Temperaturen zu unterhalten. Am Eingang wurden uns dann die 3D Brillen ausgehändigt, die Konzertbesucher sahen mit den Brillen alle aus wie Sonnenfinsternis-Bewunderer, das war die Art von Papier-3D Brillen, die früher in TV-Zeitschriften lag, um die ersten 3D Filme anzusehen, nur mit Kraftwerklogo 🙂

Das Konzert fand ich persönlich prima, der Sound war mit das Beste, was ich im Palladium bisher hörte. Die 3D Show war auch ok, am Anfang fand ich die Effekte etwas bemüht und die Brille störend, mit der Zeit wurde das besser und ich fand die Show dann ziemlich beeindruckend. Klar, das war jetzt nicht Rudimental oder La Brass Banda mit energetisch-treibendem Sound sondern eher ruhiger, aber Kraftwerk haben die Songs behutsam (und durchaus gelungen) modernisiert, das war alles echt hörbar und deutlich weniger retro als erwartet.

Wir sind die Roboter (auch auf der Bühne ;))

Wir sind die Roboter (auch auf der Bühne ;))

Mit Music Nonstop als Ohrwurm gingen wir dann nach Hause 🙂 Würde ich nochmal hingehen? Für 55 Euro (ein echt stolzer Preis und das teuerste Konzert 2015) wahrscheinlich nicht nochmals – wer Kraftwerk aber noch nicht gesehen hat, der sollte das Geld durchaus mal ausgeben, ich fand, dass sich das gelohnt hat…

Autobahn

Autobahn

 

Einige andere Konzertkritiken:

Stadtanzeiger

Koeln.de 

Rundschau

Redaktion42

Ach ja, ganz vergessen: die ECHTEN Pioniere der elektronischen Musik touren auch wieder: FRAKTUS (und kommen auch nach Köln!)

 

 

--
Socialkram (einigermassen datengeschützt):

Veröffentlicht von davednb

bloggt - mit Pausen - seit 2004. Im Netz seit 1993. Mochte damals Gopher mehr als Http - denn Bilder im Internet braucht(e) ja keiner. Oldschool, baby!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.