Mein Brief an Jay-Jay

Hallo Jay-Jay,

du wirst dich wahrscheinlich nicht an mich erinnern, aber wir haben uns am tkschland gesehen – ich habe mich im Brauhaus kurz mit deinem Papsi unterhalten, ich hatte ein Star Wars T-Shirt an.

Nach dem tkschland dachte ich mir, dass es doch auch mal für mich endlich an der Zeit wäre, Dir einen Brief zu schreiben – auch wenn das folgende deinem Papsi sehr wehtun wird, denn: mein Herz schlägt für den glorreichen effzeh Köln.

Das war aber nicht immer der Fall –  das ergab sich so:

Mein Papsi hat – als ich in deinem Alter war – ein ähnliches Projekt gestartet. Natürlich nicht so toll wie Eures, aber er wollte, dass ich möglichst viele Sportarten kennenlerne, bevor ich mir eine im Verein aussuche. So waren wir (damals lebten wir noch in Soest) beim Handball, beim Basketball, später auch bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Stuttgart. Beim Fußball waren wir auch – in Dortmund. Hat bei mir aber nix genützt, Dortmund fand ich doof, nachdem die mal 11:0 verloren hatten. Ja, ich war ein Erfolgsfan in meiner Jugend.

Dann sind wir in die Nähe von Stuttgart gezogen. Dort gab es dann zwei Entscheidungen. Ich wollte zwar in einen Fußballverein, mein Papsi meinte aber, dass das ein zu harter Sport wäre mit zu vielen Verletzungen (beim hasscup gab es ja auch einen Verletzten :-)) und ich sollte doch Handball spielen. Dass man sich bei Handball deutlich öfters  verletzt als beim Fußball war ihm wohl nicht so klar. In den folgenden Jahren war ich daher öfters mal beim Arzt/in der Notaufnahme, um einen gebrochenen Finger zu schienen,  aber ich schweife ab 🙂

Es geht ja um den Lieblingsverein. Der war damals der VFB Stuttgart. Für eine lange Zeit. Damals spielten da die Förster-Brüder, dann gab es eine Phase mit Guido Buchwald und Jürgen Klinsmann (der ja auch mal Trainer der Nationalmannschaft war). Das war eine Superzeit für Stuttgart, die waren auch mal Meister, aber ich war nie ein glühender Fan – ich war zwar hin und wieder im Stadion, aber das war es auch schon. Ich habe die Spiele im Fernsehen gesehen und davor in der Radiokonferenz für den VFB die Daumen gedrückt, das war es aber auch schon. Wenn die verloren hatten, ging die Welt auch nicht unter, mein ‚Hauptsport“ war ja Handball.

Dann fing ich an zu studieren und Fußball wurde noch weniger wichtig. Ich war – wie die meisten Studenten dort – für Freiburg (und aus alter Tradition wollte ich nicht, dass Stuttgart verliert), aber mitgefiebert habe ich nicht. War eher so ein „prima, die haben gewonnen“ und das war es auch schon. Oder öfters ein „Mist, die haben verloren, egal“.

Dann sind wir nach Köln gezogen, vor über 14 Jahren. Fußball war da gar nicht mehr auf dem Radar. Der FC Köln noch viel weniger. Das ging auch eine lange Zeit so, die sind mal ab- und dann wieder aufgestiegen, habe ich nur am Rand mitbekommen. Dann fragte mich ein Freund, ob ich nicht Lust hätte, mal zum Spiel mitzukommen (ich glaube ja, dem war langweilig, so alleine im Stadion). Da war es saukalt, der FC spielte mal wieder nicht so doll und ich war immer noch kein Fan. Als derselbe Freund dann die imipressionen (die hat Dir auch einen Brief geschrieben als princess_cgn) und mir eine Stadionführung mitmachte, wuchs die Begeisterung bei Ihr. Bei mir nur langsam – ganz ehrlich. Als der FC dann abstieg, war ich nicht so am Boden zerstört wie viele andere, dazu spielten die alle viel zu schlecht und was noch viel schlimmer war: man konnte sehen, dass da keiner Lust hatte, dass es keine Mannschaft war, keine Kumpels, die sich auf dem Platz helfen. Dazu war der Verein noch pleite, die hatten kein Geld mehr. Aber das war für mich komischerweise auch der Punkt, wo ich anfing, dem Verein die Daumen zu drücken. Wir hatten Glück, bekamen Dauerkarten, waren regelmäßig im Stadion, fieberten mit, wenn es ein spannendes Spiel war, jubelten bei Toren, schimpften bei Gegentoren. Man sah einfach, dass die Mannschaft wieder füreinander spielte, dass da ein Teamgeist war.

Irgendwann stellte ich dann fest, dass der FC wirklich „mein“ Verein ist – aber das war nicht ein Moment, ein einschneidendes Erlebnis, ein entscheidendes Spiel – eher eine langsame Entwicklung, die mit der Zeit immer klarer wurde. Ich stand dann mit all den anderen Fans auf dem Rasen, als der FC letztes Jahr den Aufstieg schaffte, ich feierte mit allen anderen den Aufstieg. Wedele mit meinem Schal (ja, ich habe einen Schal! Und ein T-Shirt. Und ein Trikot – aber das zählt nicht so richtig, das habe ich gewonnen) bei der Hymne, fiebere mit, wenn es kurz vor Ende unentschieden steht – oder auch, wenn der FC führt – weil ich immer Angst habe, dass die sich ein Tor fangen.

Von daher, auch wenn Papsi das gegebenfalls nicht gerne hört: Lass Dir Zeit, schau Dir viele Spiele an und hab dabei eine schöne Zeit mit ihm. Bei mir hat das fast 30 Jahre gedauert, bis ich meinen Verein gefunden habe! Ach ja – aber erzähl das nicht weiter – ich habe heimlich immer noch Sympathien für andere Vereine, auch wenn es nicht „mein“ Verein ist. Das sind inzwischen ganz schön viele geworden, noch immer Freiburg und Stuttgart (will bei beiden nicht, dass die absteigen), aber auch St. Pauli und Union Berlin, Fortuna Köln und Sonnenhof Großaspach. Das ist nämlich der Lieblingsverein meines Patenkinds, der ist ungefähr so alt wie Du und mit dem war ich dieses Jahr auf einem Spiel – und danach ist er Großaspach-Fan geworden 🙂 So ganz ohne rumreisen. Was für ihn ganz praktisch ist, denn er wohnt in der Nähe und kann schnell mal zu einem Spiel -und für die anderen Fans auch, denn da gibt es gar nicht so viele. Die Ultras da waren gerade mal 20 Personen 😉 und er stand dann am Schluss direkt bei Ihnen. Natürlich will ich ja dann jetzt auch nicht, dass die verlieren, damit er sich freuen kann!

Was ich aber eigentlich sagen will (und dafür hab ich ganz schön viele Worte gebraucht!): Du wirst irgendwann einen Verein finden, den Du tollfindest. Oder zwei. Oder sogar noch mehr. Vielleicht hintereinander. Vielleicht gleichzeitig. Vielleicht merkst Du das auch – so wie ich – am Anfang gar nicht, sondern der Verein wird Dir einfach immer wieder etwas wichtiger. Ausserdem – das sagt meine Frau immer und auf die höre ich (fast) die ganze Zeit (die ist bei uns der Boss ;-)): Du suchst dir nicht Deinen Verein aus, der Verein sucht dich. Das hat Sie zwar aus einem Buch geklaut (nicht verraten, dass ich das weiss!), stimmt aber trotzdem ein bisschen.

Ich wünsche Dir noch ganz viel Spaß auf deiner Rebellentour! Es klingt ja wirklich so, dass Ihr da tolle Sachen erlebt (Papsi mit dem Schild in Frankreich ;-)) und ich hoffe, dass ihr noch viele gemeinsame Spiele seht! Ihr habt schon so viele Stadien gesehen, da bin ich richtig neidisch, ich war bisher nur in Stuttgart, Köln, Dortmund, Großaspach und Paris.

Ich hoffe auch, dass deine Schwester sich qualifiziert und auch öfters auf eure Touren mitkommen darf 🙂 Das mit dem Grottenkick ansehen als Bedingung ist einfach, geht nur zu einem F95 Spiel (mal schauen, ob Dein Papsi den Satz löscht :P). Oder zu einem des effzeh – so toll waren die im letzten Jahr auch nicht. War aber egal, denn das ist ja mein Verein, da fiebert man trotzdem mit.

Also, bis zum nächsten Hasscup, hoffentlich kannst Du da wieder mitmachen, dann sehen wir uns da!

Warum schreibe ich einen öffentlichen Brief? Wer ist Jay-Jay? Was ist der Hasscup und Tkschland? Falls Ihr Euch all das fragt, schaut mal hier vorbei, da ist beschrieben, warum ich diesen Brief schreibe. Wenn Ihr auch einen Brief schreiben wollt, nur zu! 

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Socialkram (einigermassen datengeschützt):

Veröffentlicht von davednb

bloggt - mit Pausen - seit 2004. Im Netz seit 1993. Mochte damals Gopher mehr als Http - denn Bilder im Internet braucht(e) ja keiner. Oldschool, baby!

1 Kommentar

  1. Pingback: #61 Dave liebt den EFFZEH | Der Wochenendrebell

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