Skifahren – meine Version

 

Nachdem @princess_cgn Ihre Version unseres diesjährigem Skiurlaub geblogged hat, bin ich jetzt mit meiner Sicht der Dinge dran.

Mein erstes Skifahr-Erlebnis war letztes Jahr in der Schweiz, in Wildhaus und das war gelinde gesagt ein mittleres Desaster. Ich kam kein Stück voran, war nach 1.5 Tagen noch auf dem Idiotenhügel und sah echt keine Zukunft in dem Sport. Nebenbei hatte ich, da ich ja immer den Idiotenhügel hochsteigen musste, offene Blasen an beiden Schienbeinen und keine Lust mehr auf den Kram, vor allem da auch zu all dem ich keine Linkskurve hinbekam. Nach einer kurzen Abklingpause für meine schlechte Laune hatte ich dann am letzten Tag zwei Privatstunden, nach denen ich dann wenigstens links und rechts Kurven fahren konnte.

Blöd Lernresistent wie ich bin haben wir dann für diesen Winter nochmal einen Skiurlaub gebucht, für mich unter dem Motto: davednb will’s wissen. Entweder ich bekomm das hin oder der Wintersport und ich sind keine Freunde fürs Leben.

Beim Schaulaufen vor den Skilehrern wurde ich in die Gruppe “kein kompletter N00b aber muss noch viel Lernen” eingruppiert. Ich war mir bezüglich der Eingruppierung nicht so sicher, denn meine Linkskurve war immer noch so schlecht wie zuvor.

Nun gut, die werden es schon wissen. Beim Beginn des Kurses dann die erste positive Überraschung: der Idiotenhügel hat einen Lift. Ehrlicherweise eher ein Transportband, aber Hey, ein LIFT. Doof nur, dass der Skilehrer nach dem Vormittag meinte, dass wir genug auf dem Hügel geübt hätten und wir als nicht ganz so blutige Anfänger doch schon mal den richtigen Lift nehmen können. R U fucking kiddin me? Ich hatte letztes Jahr am Ende meiner Einzelstunden – unter Aufbringen all meines Mutes – eine kurze Abfahrt auf der blauen Piste gemeistert. Jetzt also kaltes Wasser am ersten Tag. Sigh.

Während des Nachmittags habe ich dann all das wieder gefunden, was mir letztes Jahr das Skifahrlernen so erschwert hat:
– Höhenangst. Kommt extrem gut, wenn man einen steilen Berg heruntermuss und um einen Bogen zu fahren den Körper Richtung Tal drehen muss. Da MUSS ich doch bei sterben 1!1!1!111
– Sicherheits/Risikomanagement: mein Beruf ist es, Risiken zu managen und auf ein akzeptables Mass zu reduzieren. Beim Skifahren sehe ich allerdings nur Gefahren. Der Berg, Bäume, Felsen, Schluchten, andere schnellere Skifahrer, die Geschwindigkeit, meine fehlenden Fähigkeiten, etc…
– mein Dickschädel. Eine meiner Stärken liegt normalerweise darin, dass ich Sachen sehr schnell verstehe. Gebt mir ein Konzept und ich fräse mich da schnell durch. Kein Ding. Aber was ich nicht mag ist das Gefühl was nicht zu können. Fehler zu machen. Den Scheiß nicht (schnell genug) zu kapieren. Der meistgehörte Satz aller Skilehrer zu mir war “net studiere, einach machen”. Klar. Ich will aber verstehen, warum ich was wie belasten soll oder warum ich wie was zu machen habe…
– fehlender Wille zur Abgabe der Kontrolle: hat mich schon beim Motorradfahrenlernen das Leben schwer gemacht. Bis ich es endlich gewagt hatte, schneller als 50 zu fahren. Analog hier beim Skifahren: schnell fahren? Steile Pisten? Einfach einen Schwung machen ohne voll abzubremsen? No way.

Aber ich habe trotzdem weiter gemacht, aus Gründen. Einige sind oben schon erwähnt (Dickschädel), aber das ist nicht alles. Wie ich ja zu meinem 40. schon geblogged hatte will ich nicht in meiner Komfortzone versumpfen – und das Skifahren hilft mir da auf mehreren Ebenen. Nicht nur muss ich mich meinen Ängsten stellen (Höhenangst, Kontrollverlust), es ist auch ganz gut für die persönliche Demut zu erkennen, das und was man alles nicht kann. Wie schwer es für mich ist, manche Sachen neu zu lernen, während einen die Kinder in Grund und Boden fahren. Erfolgserlebnisse zu erarbeiten. Denn die stellten sich -spannenderweise schneller als erwartet, was ich (siehe @princess_cgns Eintrag) unter anderem auch den besseren Skilehrern anrechne- dann doch ein. Hatte ich am ersten Tag noch/schon 400 Höhenmeter und 2 Pistenkilometer “erfahren”, so waren es am zweiten Tag schon 1300 Höhenmeter und 10 Pistenkilometer. Aber abgesehen von den reinen Zahlen sah ich Fortschritte, ich kam nicht mehr zum Stopp bei der Kehre, ich konnte plötzlich Kurven in beide Richtungen fahren, konnte Sachen, die ich am ersten Tag nicht konnte, so z.B. Eine längere Strecke am Stück herunterschwingen. Heute sind wir dann – nach nur 2 Tagen – auf den Gipfel und haben dann eine Abfahrt mit 1200 Höhenmetern am Stück gemacht. Hätte mir das jemand vor Beginn des Kurses gesagt, hätte ich das nicht geglaubt.

Natürlich gab es auch Rückschläge, wenn ich z.B. einige Übungen nicht kann. Aber da muss ich durch, wenn ich lernen will, auch wenn es mir natürlich in dem Augenblick selbst nicht schnell genug geht und ich mich über mich selbst ärgere, weil ich es nicht hinbekomme.

Trotzdem fängt es langsam an Spass zu machen und ich fange an zu verstehen, warum andere Skifahren als Vergnügen und nicht als Ärgernis sehen 🙂

Von daher werde ich weiter im Kurs mitmachen – trotz erneut offener Blasen an den Schienbeinen und mich weiter verbessern. Nicht nur dass, ich könnte mir sogar vorstellen, dass wir hier nächstes Jahr wieder auf der Piste stehen. Wo ich mich dann mal wieder selber anmachen werde, dass es eine Kackidee war, sich das anzutun – bevor ich dann doch wieder den nächsten Berg runterfahre und mich dabei erwische, so langsam Skifahren doch gut zu finden.

Dass darf @princess_cgn aber nie erfahren, denn die soll noch gerne die nächsten paar Jahre ein schlechtes Gewissen haben, dass sie mich zum Skifahren überredet und mitschleift 😉

--
Socialkram (einigermassen datengeschützt):

Veröffentlicht von davednb

bloggt - mit Pausen - seit 2004. Im Netz seit 1993. Mochte damals Gopher mehr als Http - denn Bilder im Internet braucht(e) ja keiner. Oldschool, baby!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.