Lindy hop und die Komfortzone

Letzte Woche hatte ich schon mal kurz über meinen Wunsch geblogged, darauf zu achten, nicht in der Komfortzone zu versacken, sondern etwas neues (herausforderndes) zu lernen. Gerade bin ich mir nicht sicher, ob das so eine gute Idee ist – jede Woche kurz vor der Lindy-Hop Stunde.

Wie das alles so kam, dass ich meinen Fuss nochmals in eine Tanzschule setzte: Ich habe zwar einen DTV Bronze Kurs hinter mir, war aber danach der festen Meinung, nie wieder eine Tanzschule zu betreten. Alle dort gelernten Tänze (DISCOFOX) waren eher boring, auch das alte Argument “Du musst doch bei Deiner Hochzeit tanzen können!11!!!” zog vielleicht mit 15, aber später nicht mehr. Bei unserer Hochzeit wurde auch nicht getanzt. Kein Brautwalzer, kein Discofox oder sonstwas. Warum ich überhaupt Bronze mitgemacht habe, erschliesst sich mir heute nicht mehr.

Nichts gegen Tanzen an sich – zur “richtigen” Musik und an den passenden Locations – aber dann zu meiner Musik. Wie ich will. Nicht wie es ein 50-Jähriger, junggebliebener Tanzlehrer vorgibt.

Seit imipressionen nun in meinem Leben ist, hat sich mein Musikgeschmal erweitert. Lief früher primär DnB über die Boxen, so musste ich mich am Anfang der Beziehung umstellen und eher meine Chillplatten/Cds rauskramen – von K+D bis hin zu Saint-Germain, was auch unser erstes gemeinsames Konzert war. Mit der Zeit hat sich das auch geändert, inzwischen kann ich auch mal abends oder im Auto ein dickes DnB Brett spielen und sie wippt mit oder ich höre auch mal gerne ein gutes Slowhouse/House/Downbeatset. Wie das nun alles mit Lindy-Hop zusammenhängt? Mit der Entwicklung zu House/Downbeat. Vor ein paar Jahren waren wir auf einem Waldeck-Konzert,  gewissermassen eine Prä-Slow-Electro-Swing Variante 🙂 Und völlig überaschenderweise wurde dort dann einfach mal das Publikum getrennt (Jungs links, Mädels rechts -> Damenwahl und tanzen!), das fand ich ganz spannend. Dann kam die große (erste) Electroswing-Welle, Parov Stelar lief häufiger @home und der erste Artikel in der Stadtrevue zu Lindy-Hop wurde veröffentlicht.

Lindy-Hop? Swing tanzen, siehe das Video. Als Anfänger sieht das natürlich noch ganz anders aus. Dazu gleich mehr.

Ich zeigte den Artikel damals imipressionen, die Begeisterung war noch verhalten, aber ein Jahr später wurde es dann konkreter, unter anderem nach dem Parov Stelar Konzert letzten Herbst. Also mal Google angeworfen und nach Orten in Köln gesucht, in denen man das lernen kann – und uns für den Hop Spot und den Einsteiger-WS entschieden. Allerdings bekamen wir das dann doch erst im Mai auf die Reihe.

Tja, und dann stand ich da. Inmitten von ca 20-25 anderen, die alle nicht wussten, was auf sie zukommt. Das als freudige Erwartung zu bezeichnen ist übertrieben, ich mag es nicht, überrascht zu werden (imipressionen kann ein Lied davon singen bzgl der Versuche, mir ein Geburtstagsgeschenk zu suchen). Dann der GAU: Die Trainer sagten zu Beginn: “Lindy Hop ist ein sehr sozialer Tanz, daher wechseln wir immer realtiv schnell die Tanzpartner.” WAAAAAAAAAAAAAA. War es nicht schon genug, dass ich mich überwunden habe, beim Tanzkurzs aufzuschlagen? Dass ich es in Kauf nehme, dass mich die Trainer öffentlich kritisieren (dazu gleich mehr) und mir zeigen, dass ich nicht alles kann – also mein hochnäsiges Know-It -All Weltbild (so bezeichnet es mein Chef) zerstören? Da war ich mir das erste mal nicht so sicher, ob das was wird.

Die erste Sorge hat sich dann aber schnell zerschlagen. Die meisten Tanzpartnerinnen waren ja in der gleichen Sitatuation, wir also alle im selben Boot 😉 Die Trainer greifen so gut wie nie korrigierend ein sondern verlassen sich auf die Selbstlernkräfte und auch darauf, dass es beim nächsten Versuch/Partner besser klappt. Zudem greifen sie Probleme, die sie sehen, zwischendurch auf und zeigen allen, worauf man achten sollte. Auch die Komplexität der Schitte hielt sich noch in Grenzen, aber meine Komfortzone wurde trotz allem verlassen. Also alles gut?

Dachte ich auch noch nach dem zweiten WS Termin, bis es dann letzte Woche Zeit für die erste “richtige” Stunde war. Mit erfahreneren Tänzern. Die echt schon gut tanzen können – nicht so rumhoppeln wie wir. Es fing schon beim Aufwärmen an, als man Schritte und klatschen koordinieren sollten. Die Clevereren in der Gruppe haben sich einfach auf die Schritte konzentriert und nicht geklatscht, nur einer war mal wieder zu ehrgeizig und landete dann prompt hörbar neben dem Takt 😉 Das war der Moment, in dem mal wieder der Kampf Komfortzone (warum geb ich mir den Scheiss) vs der “ich will was lernen” Einstellung losging – ich hab dann doch weitergemacht und siehe da – war gar nicht soooo schlimm. Ich hatte – natürlich – zwar alle zuvor schon gelernten, komplexeren Schritte vergessen, aber dank ein/zwei erfahrerenen Tanzpartnerinnen auch schnell wieder drauf. Lustig war es zudem auch noch.

Von daher werde ich erstmal weitermachen, auch wenn ich das Level im Video wohl nicht mal ansatzweise erreiche. Auch wenn es mich immer Überwindung kosten wird, mich der Situation zu stellen, mich zum Löffel zu machen, wenn ich die Schritte verkacke und/oder meiner Leader- (FÜHRER! – um die Diskussion über Godwin und Rule 34 aus dem IronbloggertreffenK mal weiterzuführen) Rolle nicht so ganz gerecht werde, weil die Partnerin besser führt als ich 😉

Aber solange der Spass überwiegt, wird weiter Lindy Hop gelernt – und das tut er derzeit.

PS – for whom it may concern: Parov Stelar kommt wieder nach Köln, am 10.12, war eines der besten Konzerte des letzten Jahres.

Wer sich jetzt für Lindyhop interessiert:

Auf Soundcloud gibt es ein paar gute accounts mit mixtapes, z.b die Soundnomaden oder Turtur, aber auch die modernere Variane mit Wobblebass wie Marinelli, DJ Ratz-Badzz oder Vibe Ambassadors. DJ Zedvantz ist auch super, aber nicht auf Soundcloud. Ich habe auf Soundcloud auch ein Set mit den besten (Electro-)Swingsets angelegt, die mir im Feedreader über den Weg laufen, besonders toll finde ich das HipHop/Swing set für den gemütlichen Sonntagmorgen.

http://www.hopit.de/ ist auch eine gute Resource, nicht zuviel über CGN, aber auch mit Mixtapes und Videos.

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Socialkram (einigermassen datengeschützt):

Veröffentlicht von davednb

bloggt - mit Pausen - seit 2004. Im Netz seit 1993. Mochte damals Gopher mehr als Http - denn Bilder im Internet braucht(e) ja keiner. Oldschool, baby!

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